Grün
a story written by Master Patrick

Zu dieser Zeit hatte ich nicht viel mit meinem über 30 Jahre älteren Freund zu tun. Ich konnte ihn nicht mit dem Wissen in meiner Umgebung haben, dass er den blonden Stricher vor mir in der Nacht als wir uns kennenlernten, benutzte! Er hatte fast alle meine Ex-Freunde im Bett. Auch meine erste grosse Liebe! Er wusste, dass ich ein Problem damit habe, dennoch tat er es. Mit dem Argument: "Sei doch froh, dass ich es tue, bei mir weißt du wenigstens, dass ich nicht mehr von deinem Partner will, ausser einmal Sex!" Wie er es schaffte einen nach dem anderen nackt in sein Bett zu bekommen!? Ganz einfach: Mit Drogen und erschlichenem Vertrauen. Er war in dieses Hinsicht mir gegenüber ein Scheisstyp!

Der blonde Stricher und ich waren wieder in unsere gewohnte, vertraute, glückliche Harmonie verfallen. Er drehte dabei die grössten und längsten Joints die ich je gesehen und auch geraucht hatte. So 15 cm lang schätze ich mal und bis zu 1 ½ Centimeter dick. Er machte solche Joints nicht nur zum Angucken und vielleicht halb gefüllt. Ne! Der war voll mit Marihuana vom Anfang bis zum Ende und geraucht wurde auch der ganz Joint. Meist lag er, es war Sommer, nur mit Boxershorts bekleidet auf meinem Bett. Das Bett bestand einfach aus zwei übereinandergelegten, geschenkten, grossen Doppel-Matratzen. Das war richtig geil! Voll bequem und hatte so einen Trampolineffekt. Der blonde Stricher lag meistens da drauf und drehte die Joints. Wenn er seine dunkle, olivgrün schimmernde Seidenunterhose mit dem luxuriös wirkenden Antikmuster anhatte legte ich mich meist seitenverkehrt zu ihm ins Bett. Dabei waren meine Füsse in Richtung seines Kopfes und mein Kopf in der Nähe seiner Füsse. So konnte ich ihm, besonders wenn er die Beine so spreizte, gut unter seine Unterhose gucken. Ich konnte seinen blond behaarten, langen, schönen Eiersack sehen und seinen trotz des schlaffen Zustandes, langen, fleischigen Schwanz. Er war dabei innigst mit dem Bauen des Joints beschäftigt. In solchen Momenten zählte nur, dass der Joint perfekt wird. Stolz prahlte er immer mit dem fertigen Joint, er drehte ihn, drückte ihn noch ein bischen zurecht, roch daran und gab ihn dann mir zur Endprüfung. Perfekt war der Joint allerdings erst dann, wenn auch ich den fertigen Joint gelobt hatte. Er kratzte sich dabei immer mal wieder an seinen Eiern und veränderte so mit immer die Einsicht an der Seidenunterhose zu seinem Schwanz und seinen Eiern. Er war unrasiert. Immer. Ganz natürlich behaart und genau das fand ich auch besonders geil. Ich fotografierte ihn auch aus diesem Blickwinkel. Ich durfte alles! Er war auch als Fotomodell perfekt. Er bewegte sich ganz natürlich wie immer, selbst wenn ich mit meiner grossen Kamera und dem grossen Objetiv auf ihn zielte. Er bewegte sich immer ganz natürlich weiter, mit seiner Schönheit welche er verkörperte. Seine äusserliche Schönheit und seine innerliche Schönheit kamen bei den Bildern zum Ausdruck. Von den grossen Joints machte ich meist nur ein paar Züge, den Rest rauchte er. Er genoss das Jointrauchen, sichtlich. Er wurde ruhig wenn er die grossen Joints rauchte. Dennoch unterhielten wir uns meistens. Während des Jointbauens, beim Jointrauchen und danach. Wir hatten in keinem Moment unserer Partnerschaft eine schweigende Zeit. Nein, niemals! Unsere Partnerschaft hatte in jedem Moment gelebt. Unsere Energien wurden eins und dieses erlebte Glück kosteten wir an so vielen Stunden des Tages gemeinsam aus, so viele möglich waren. Wir waren fast nur mit uns zusammen. Wir brauchten keine Dritten! Manchmal wenn er mal alleine etwas erledigte, aber auch nur dann wenn ich keine Zeit hatte um mitzugehen, dann brachte er eventuell mal den Wolfsjungen, wie ich ihn nannte, mit nach Hause. Das war der Junge, mit der wilden Mähnenfrisur. Über ihn wusste ich nicht viel, aber er wirkte so natürlich und frei wie ich es nur von meinem blonden Stricher her kannte. Keine Ahnung, was die beiden auf der Strasse so getrieben haben, jedenfalls zu Hause bei uns hat sich der Wolfsjunge immer bestens verhalten. Er war eher ruhig und passte sich ohne Probleme der Situation unserer Ein-Zimmer-Wohnung an. Ich nehme mal an, das mein blonder Stricher ihn darauf vorbereitet hatte, was für ein Mensch ich bin und was in unserer Wohnung erlaubt war und was nicht. Es funktionierte bestens! Mein blonder Stricher nannte ihn "Jackson". Klar fragte ich ihn, wie er auf den Namen "Jackson" kommt und ob er wirklich so heisst. Er erklärte es mir! Er nennt jeden "Jackson" mit dem er befreundet ist. Mich nicht, ich war auch sein Partner. Jeden "Jackson" zu nennen hat bestimmt seine Vorteile! Er braucht sich keine Namen zu merken und irgendwie reagiert jeder drauf! Das habe ich mitbekommen. …und Namen sind doch wirklich nicht das wichtigste! Damit hatte er recht! Die Beiden sind ein Team das funktioniert und das ist das wichtigste was zählt! Sollte er ihn beim richtigen Namen nennen, einen Namen, welchen er von Menschen bekam, denen er wahrscheinlich ebenso eine Leben lang egal war. Sollte der Wolfsjunge auf einen Namen beharren, welchen er von Menschen bekam, welche ihn von Kleinkind an wahrscheinlich genauso täglich verprügelt hatten!? Sollte er mit dem Rufen seines richtigen Namens immer wieder daran erinnert werden, wie diesen Namen seine besoffene oder unter Drogen stehende Mutter und Vater mit Müh und Not beim Aussprechen ausgekotzt haben!? Sollte dieser blonde Stricher, welcher sein bester Freund war überhaupt den Namen wissen wollen, welcher in Bedeutung mit Qualen, Missachtung und Leid verbunden war!? Nein! Das war nicht nötig! Der blonde Stricher war wie der Wolfsjunge, sie hatten eine ähnliche Vergangenheit und wussten richtig miteinander umzugehen. …und diesen Umgang störte ich nie und sollte es mal passiert sein, dann war das nicht bewusst und schon gar nicht mit Absicht!

So lagen wir im Bett und kifften an den überdimensional grossen Joints rum und unterhielten uns in aller Ruhe auch über Jackson. Er betäubte mit dem tiefen Inhalieren der Riesenjoints die Schmerzen seines Heroinentzugs, das weiss ich jetzt. Ich konnte zu dieser Zeit nichts damit anfangen, wenn er mir seine Entzugsschmerzen erklärte. Diese Schmerzen entlang der ganzen Wirbelsäule. Die unsäglichen ziehenden und drückenden und vor allem stechenden Schmerzen entlang der ganzen Wirbelsäule, die dieser nicht mal 18 Jahre alte Junge durchleiden musste. Ich war und fühlte mich stark! Klar! Ich kannte solche Situationen ja auch aus sämtlichen Filmen. Immerhin war ich ja auch bei der Trainspotting Premiere und war bei dieser in einer grossen Turnhalle in Paris mit einer Bekannten auf einer Matratze in den ersten Reihen auf dem Boden gelegen. Ja sie hatten sich viel Mühe für die Premiere dieses Filmes gemacht! Es gab Knabbersnaks, Getränke, alkoholische und nicht-alkoholische und die drittklassige Schicki-Mickiwelt von Paris war vertreten. Alle zogen sich diesen Heroinfilm rein. Sie kreischten, lachten, applaudierten und waren phasenweise so still, dass man hätte eine Stecknadel fallen hören. Die Trainspotting-Premiere war ein Ereignis, davor und danach und währenddessen. Es wurde darüber philosophiert, wie das nun mit dem Heroin sein und was man nicht alles dürfe und was man nicht alles solle. Es war schick als hin und wieder Partykoksziehender Pariser Partysternchen auf der Premiere des Heroinfilms "Trainspotting" zu sein. Auch ich hatte auf der Matratze Spass und wusste innerlich alles besser. Der Film war ja auch nach 1 ½ Stunden wieder zu Ende. Der blonde Stricher war hier! Den ganzen Tag! Die ganze Nacht! Immer! Tagelang! Wochenlang! Das Stärkste was ich aus diesem Film mitnahm, war, man muss durch einen Entzug durch und dann ist er vorbei und das schöne drogenfreie Leben beginnt. Von den 1 ½ Stunden dauert der Entzug ja auch maximal 1/5 des ganzen Films und so einfach und schnell stellte ich es mir in meinem Kopf auf für meinen blonden Stricher vor! Es war anders! Es war ganz anders! Er litt meist für sich alleine. Er zeigte mir selten seine Schmerzen. Wohl in erster Linie, weil er wusste, dass ich seine Schmerzen weder verstehen noch damit hätte umgehen können. So inhalierte er die langen, dicken Joints während Jay-Z aus seiner selbstgebastelten Megabox erklang. Einmal krümmte er sich vor Schmerzen vor mir. Er lag seitlich da und verfiel in eine Embryostellung und schilderte mir dramatisch seine Schmerzen. Bis heute kann ich mir solche Schmerzen nicht vorstellen. Ich sah seine Schmerzen an seiner Körperhaltung, ich hörte seine Schmerzen aus seiner Stimme, ich sah seine Schmerzen aus seinem Gesicht kommen, ich sah seine Schmerzen an seinen Händen, wie er sich selbst verkrampft umarmte, ich sah besonders seine Schmerzen aus seinen Augen wenn er mich hilflos seinen Schmerzen ausgeliefert anguckte. Ich sass daneben und guckte ihn an. Ich guckte ihn nur an! Ich konnte ihn nicht berühren! Ich konnte ihn nicht mal streicheln, weil ich Angst hatte ihm mit der feinsten Berührung noch mehr weh zu tun! Seine Haut brannte. Ich sass einfach nur daneben und guckte ihn mir an! Wie im Film dachte ich mir, da muss er halt durch! Einfach! Dachte ich mir! Ich durchlitt ja nicht diese Schmerzen! Ich konnte sie mir nicht mal vorstellen! Er durchlitt sein Leben lang Schmerzen! Er war das gewöhnt. Dennoch waren diese Schmerzen anders. Alle Schmerzen sind anders. Er guckte mich hilfesuchend an! Würde ich hier schreiben: ´Wenn ich hätte können, hätte ich ihm die Schmerzen abgenommen.´ Dann wäre dies ein Lüge! Ich dachte in diesem Moment gar nicht daran! Ich dachte nur daran, selbst hart zu bleiben. Dennoch schrie ganz tief drin in mir mein Herz. Ich war hilflos und wirkte dadurch so hart und kalt ihm gegenüber, während er sich vor Schmerzen windete. Der blonde Engel durchlitt die schlimmsten Entzugsqualen! Er zeigte mir diese Schmerzen nie wieder! Nie wieder so wie in diesem Moment! Er hatte die Bestätigung, dass ich mit dieser Situation überfordert war. Er hatte die Bestätigung, dass ihm kein Mensch der Welt seine Schmerzen abnimmt! Nicht mal der Mensch, welcher ihm so nahe steht und ihn aufrichtigst liebt! Ich merkte ab diesem Moment immer nur an Einzelheiten, wenn er Schmerzen hatte. Er war stark! Er war viel stärker als ich! Jedoch hatte ich das zu dieser Zeit nie erkannt. Er konnte 90 % seines Körpers auch bei Schmerzen unter Kontrolle halten, aber irgendwo erkannte ich es immer. Entweder waren es seine verkrampften Hände oder seine verkrampfte Körperhaltung, meist jedoch waren es seine nach Schmerz schreienden hellbraunen, unschuldigen, kindlichen Augen.

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Mein blonder Engel erfüllte mir jeden Wunsch, welcher irgendwie möglich und unmöglich war. Er hätte mir den Himmel zur Erde geholt, wenn ich es verlangt hätte. Er hatte Wünsche aus mir herausgefordert. Ich war glücklich mit ihm! Mit ihm allein! Ich hatte keine Wünsche. Ich war selbst oft zugekifft oder / und stand unter anderen Drogen, sonst hätte ich mir wahrscheinlich gewünscht, dass wir beide drogenfrei und glücklich, was wir so und so waren, bis ans Ende unser Tage zusammenleben. Aber zu dieser Zeit hatte ich keine Wünsche! Ich hatte ihn! …und er hatte mich! Wir hatten eine Ein-Zimmer-Wohnung, wir hatten mehr als genug Geld, wir hatten Zeit. Ich hatte wahrlich keine Wünsche. So kam es, dass wir zum Beispiel durch die Stadt schlenderten und er auf einmal ein Fahrrad sah, das megatoll aussah, hochmodern. Ich kenne mich mit solchen Dingen nicht aus. Es war glaube ich so ein hyperleichtes Cross-Alurad. Er fand das toll! … und da sich mein blonder Engel mit solchen Dingen auskennt, war das bestimmt auch eines der Besten seiner Sorte. Er fand es so toll, dass er mich fragte ob ich dieses Fahrrad haben wollte. Er fragte mich mit einem Blick und einem verschmitzten Lächeln, dass ich sofort ahnte was Sache war. Der blonde Engel konnte mir in dieser Hinsicht nichts vormachen! Wir waren eins! Ich wusste wie er dachte und fühlte. Ich kannte diesen Blick und dieses verschmitzte Lächeln. Er fragte noch mal: "…willst du dieses Fahrrad haben?" Er fand es toll, er wollte es haben, aber als Umschweifung, mir zum Geschenk machen. Da er wusste, dass wenn er es mir schenkte, er sich damit selbst glücklich machte, dadurch dass er mir ein Geschenk machte und wusste aber im selben Moment, dass ich so und so kaum mit dem Fahrrad fahren würde und er somit die meiste Zeit damit herumfahren könnte. "Könnte"! Genau! Das ist das richtige Wort! So sehr ich in Geschäften bezahlte, so wenig bezahlte er in Geschäften. Das wusste ich. Er ist damit aufgewachsen. Er floh von zu Hause sobald er gehen konnte auf die Strasse und natürlich auch rein in die Geschäfte. Geld!? Geld hatte er natürlich auch nie! Woher denn!? Von seinem prügelnden, alkoholkranken Stiefvater, von seiner geschlagenen Mutter, welche ihr ganzes Geld bei seinem Stiefvater abgeben musste oder von dem gequälten Hund!? Gutgesinnte Nachbarn, Freunde oder andere Familienmitglieder gab es nicht! Er hatte nie Geld und bekam nie Geld. So war er darauf angewiesen, sich die Sachen, welche er braucht zu holen, wie er es ausdrückte. Er sagt also bis heute nie: "Ich gehe in das Geschäft etwas (ein)kaufen.", sondern: "Ich gehe in das Geschäft etwas holen." Er begann als Kleinkind nicht damit, etwas zu holen, weil es Spass machte. Der blonde Stricher holte sich bereits als Kleinkind etwas aus den Geschäften um länger auf der Strasse bleiben zu können und nicht nach Hause zu müssen. Mal was zu trinken und mal was zu essen! Wäre er um zu trinken oder was schnelles zu essen nach Hause gegangen hätten ihn Prügel und eventuell Hausarrest erwartet. Logischerweise bekam er auch nichts zu essen und trinken mit. Er verliess so früh wie möglich als Kind sein zu Hause und kam so spät wie möglich zurück. An einmal Prügel und Misshandlungen am Tag war er gewöhnt und damit hatte er auch körperlich keine Probleme mehr, das auszuhalten. Aber mehrmals am Tag musste ja dann wohl auch nicht sein. So ´klaute´ er, in unserer Sprache. Aber so ´holte´ er sich etwas aus den Geschäften in seiner Sprache. Er war darin perfekt! Klar wenn man das seit Kleinkind an macht. Ich hatte es ihm in meinem Beisein verboten! Auch wenn ich nicht dabei war, wusste er, dass ich das nicht unterstütze, aber für ihn war es normal und ich konnte ihn, wenn er ohne mich unterwegs war, ja auch schwer kontrollieren. Allerdings hatte ich immer Angst, dass sie ihn und somit uns erwischen, wenn er klauen wollte. Dabei hätten sie ihn so und so nie erwischt, wenn dann wären wir nur durch meine Nervosität aufgefallen und so sah auch er ein, dass es besser ist, wenn er in meinem Beisein, mich beim Einkaufen bezahlen lässt. Dennoch passierte es immer wieder, dass wir gemeinsam in den Supermarkt gingen um einzukaufen. Geld hatten wir genug und das hatte ich in der Tasche. Im Supermarkt guckte ich nach meinen Sachen und lief auch selbstständig rum und guckte, auf was er Appetit hätte und was wir kochen und essen könnten. Dabei kam es oft zu Situationen, dass er zu mir kam und fragte: "Haben wir noch Pfeffer zu Hause?" Ich antwortete dann: "Ein bischen." Dann kam er noch mal und fragte: "Haben wir noch Tomatensosse zu Hause?" Wo ich antwortete: "Weiss ich nicht." In meinem Kopf kochte ich etwas anderes und brauchte dazu keine Tomatensosse oder ähnliches. Er kochte in seinem Kopf aber etwas mit Tomatensosse. Dann kam er mit noch einem anderen Gewürz und fragte mich: "Schmeckt dir das?" Ich antwortete: "Ja." Wir redeten über alles und er sprach alles mit mir ab. Nie hätte er was gekocht, was mir nicht schmeckt. So unterhielten wir uns, für meine Begriffe ganz normal im Supermarkt. Über dieses Lebensmittel und jenes. Dabei sagte ich ihm, er solle alles worauf er Lust hätte in den Wagen packen. Wir schlenderten durch den Supermarkt, luden den Wagen immer voller, bezahlten an der Kasse und packten die Tüten voll. Wir machten alles gemeinsam. Es gib nie Einzeltouren. Wir waren ein Team! Wir verliessen beide mit zwei vollen Tüten bepackt den Supermarkt und gingen Richtung nach Hause. Kaum waren wir um die Ecke sagte er: "Warte kurz." Dann stellte er die Tüten zu Boden, hob seinen Pullover hoch und holte zwischen seiner Hose und Bauch gesteckt, die Packung Pfeffer, die Tomatensosse und das Gewürz hervor und packte es in die Tüten dazu. Ich konnte ihm da nie von Herzen böse sein, weil ich ihn und sein Leben und seine Vergangenheit kannte. Denn rügte ich ihn: "Du weißt doch, dass ich das nicht will, wenn du das machst und schon gar nicht wenn ich dabei bin! Wenn die uns erwischen! Ich will da keine Probleme!" Blablabla! Es folgte immer eine Moralpredigt meinerseits und er antwortete immer nur: "…und deshalb sage ich es dir im Supermarkt nicht, weil du dann so nervös bist, dass es dann alle merken!" Ich antwortete: "Ich will das aber gar nicht das geklaut wird!" Der blonde Stricher dann: "….aber du sagtest doch, dass wir nur noch wenig Pfeffer zu Hause haben." Ich dann: "Dann leg das doch in den Wagen!" ….und so ging das immer bis wir zu Hause waren und die Tüten ausgepackt hatten. In Wahrheit konnte ich aus meiner Haut nicht raus und er aus seiner nicht. Es war für ihn normal. Es wäre das selbe, ich hätte ihm im Sommer verboten Eis zu essen. Das ist einfach nicht oder kaum möglich, wenn für jemanden etwas normal ist. Er machte das dabei so perfekt. Er klaute im Laden, sogar wenn ich neben ihm stand und ich merkte es nicht, dabei wusste ich ja dass er klaut. Er hatte es mir auch erklärt wie das funktioniert. Also man darf sich im Moment des "Holens" nur auf die zu Holende Sache konzentrieren und nichts anderes, was rundherum geschieht und dann einfach nehmen. So einfach ist das. Klar gehört da jahrelange Übung dazu, um das so perfekt zu können, aber mein blonder Engel trainierte das ja schon seit frühester Kindheit. Ich liebte ihn!
So war es nun auch mit dem Fahrrad, als er mich fragte, ob mir das gefällt! Würde ich "Ja" sagen, dann würde genau dieses Fahrrad, genau dieses und nicht das selbe gekaufte, am nächsten Tag oder schon in der selben Nacht bei uns zu Hause als Geschenk für mich in der Wohnung stehen. Das wusste ich. Allerdings konnte ich mit Fahrrädern nicht viel anfangen, die waren für mich Mittel zum Zweck. Mein blonder Stricher war so der Technikfeinheitenfetischist. Klar war das Fahrrad schön! Aber was sollte ich antworten! Ich antwortete einfach: "Geht so! Fahrrad ist Fahrrad! …und wehe du klaust das!" Klar leugnete er auch nicht, mal daran gedacht zu haben dieses Fahrrad für mich, na ja für sich selbst, klauen, holen zu wollen! Am nächsten Tag stand eine nagelneue, grosse Schneidezange zu Hause! Oh Gott blonder Stricherjunge! Da musste er sich eine Moralpredigt der Sonderklasse von mir anhören! Ihn beeindruckten dabei nicht die von mir verwendeten Worte und Argumente. Nein! Ihn nervte es fast ne Stunde mir gegenüber sitzen zu müssen und sich von mir ne Standpauke anhören zu müssen und er dazu keinerlei Gegenargumente liefern konnte. Ich hätte auch kein einziges Gegenargument akzeptiert! Das wusste er und so versuchte er es gleich gar nicht! Aber er ´holte´ dieses Fahrrad nicht und lies die Brechschneidezange ungenützt zu Hause stehen. Ich schleppte diese Brechschneidezange noch jahrelang mit mir rum bis sie eine andere Stricheraffäre in Köln mir geklaut hatte. Auch da wusste ich, weshalb er mir diese Brechschneidezange klaute und benötigte! Fakt war: Mein blonder Stricherpartner hat mir zu Liebe das tolle Aluminiumfahrrad nicht geholt. Ich liebte ihn!

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