Grün
a story written by Master Patrick

Für den Anhänger hatte mein blonder Stricherpartner jetzt allerdings keine Kette. Das geschah Tage nach dem Seineinselfest. Wir hatten uns einigermassen wieder vertragen. Nur einigermassen, denn wir sprachen den halben Nachmittag aneinander vorbei. Ich fragte ihn darüber aus, ob er sich um irgendeine amtliche Sache gekümmert hatte, wie zum Beispiel die Schwarzfahrstrafen oder die Angelegenheiten wegen einer Wohnung, im allgemeinen. Für ihn war sein Wunsch klar: Er wollte mit mir zusammenwohnen. Für mich war klar, er musste um das auf Dauer können zu dürfen, mir zeigen, dass er auch etwas dafür tun würde. Er wusste allerdings nicht was er tun sollte und ich konnte es ihm verbal nicht richtig vermitteln, was er noch tun sollte. Eigentlich machte er nichts falsch, aber mir wuchs die ganze Sache langsam aber sicher über den Kopf. Ich wusste nicht mehr wie ich mit der ganzen Sache umgehen sollte. Vor allem, weil ich spürte, dass ich selber immer tiefer abrutschte, da konnte mein blonder Stricher einfach nichts dafür. Ich war zu unreif, zu unerfahren und zu selbstüberschätzend für die ganze Situation und wusste vor allem selbst nicht was ich wollte. Ich wusste, dass ich IHN wollte, das war das einzige. Sonst wusste ich weder wo ich leben wollte, was ich wirklich arbeiten wollte und somit regelmässig Geld verdienen würde. Ich hatte selbst noch viele familiäre Geschichten aus meiner Vergangenheit, welche ich selbst auch noch zu verarbeiten hatte. Ich fühlte mich immer mehr der ganzen Situation nicht gewachsen. Dennoch versuchte ich unerbitterlich meinen blonden Stricher auf, den in meinen Augen, geraden, gesellschaftlich anständigen Weg zu führen. Ich predigte ihm die Ohren voll und war dabei mit meinem eigenen Drogenkonsum nicht besser als er oder sein Jugendbetreuer zu sein und ich bekam einfach immer mehr ein schlechtes Gewissen. Dabei hielt mein blonder Stricher so tapfer mit seinem Heroinentzug durch. Wahrscheinlich machte ich auch vieles oder sogar das meiste richtig, aber ich sah das in diesem Moment nicht so. Ich sah mich immer mehr als Versager welcher überfordert war. …und dann noch die Sache mit dem Seineinselfest. Das war alles scheisse! In solchen Eigen-Fast-Depressionsphasen blieb mein blonder Stricher meist ruhig und versuchte so zumindest die Situation zu beruhigen. Diesmal spielte er mit seinem gekauften Anhänger herum und guckte ihn von allen Seiten an und bewunderte und freute sich mit seinem GEKAUFTEN Kettenanhänger. Aber was sollte er mit einem Kettenanhänger ohne Kette tun!? So gab ich ihm eine Box von mir in welcher verschiedenster metallischer Ramsch drin war, was sich bei mir so im Laufe der Jahre zusammengesammelt hatte. Da waren alte verdreckte Ringe drin, typisch schwule Modekitschringe, Ohrstecker und Ohrringe von Ex-Freunden; ich hatte nie Löcher in meinen Ohren, verschiedenste Ketten aus Holz und Metall, sogar welche von meiner Mutter, welche sie nicht mehr brauchte und ich für Karneval oder was auch immer aufhob. Ich war sogar auch einmal mit einem guten Freund als Drag-Queen unterwegs gewesen, weil wir so keinen Eintritt bei einer Diskothek bezahlen mussten. Da war auch so ne alte rote, lange Holzkette, verschiedenste Silberketten in den unterschiedlichsten Längen und Stärken, drin. So war mein blonder Stricherpartner wieder für ein paar Stunden beschäftigt und musste sich nicht mein Gejammer und meine Vorträge anhören, sondern konnte einfach seine Ohren auf Durchzug schalten. Recht hatte er! Es war jämmerlich wie ich da rumgeheult habe, allerdings konnte ich es zu dieser Zeit auch nicht besser. Mein blonder Stricher probierte in der Zwischenzeit fast alles durch. Die Ringe, die Ohrklips. Auch diese welche ich als Kind gemacht hatte. Als Jugendlicher hatte ich mal eine zeitlang um mein Taschengeld, als ich im Internat der reichen Kinder war, aufzubessern, richtig viel Modeschmuck gemacht und diesen hatte meiner Mutter dann verkauft. So Modeschmuck aus Metall und Fimo und so Broschenmasken hatte ich gemacht. Meist an den Wochenenden wenn ich vom Internat zu Hause war. Da hatte ich mal in einem Jahr um die 5.000,-- € damit eingenommen. Da war ich so 15 Jahre alt und meine Eltern hatten so und so nicht die Möglichkeit mir viel Taschengeld zu geben, so war das eine super Einnahmequelle. …und ein paar, so ne Hand voll, dieser Schmucksachen sind übriggeblieben. Auch mit diesen spielte mein blonder Stricherfreund rum.

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Aber wirklich Interesse hatte er nur an den Ketten, da er ja eine für seinen neuen dreieckigen Anhänger benötigte. Er probierte sämtliche durch und entschied sich dann, da die Auswahl ja auch nicht so gross war, für eine ganz lange Silberkette, welche zweimal um seinen Hals passte und so dennoch etwas enger an seinem schönen Hals anlag und somit auch wie ein männliches Schmuckstück wirkte. Er fragte mich ob er diese Kette haben durfte und klar durfte er diese haben! So machte er sich die Kette um und den neuen, dreieckigen Anhänger mit dem schwarzen Ornament dran und machte diese Kette dann lange Zeit nicht mehr ab. Ich weiss nicht genau, wann er die Kette abmachte, aber ich hatte ihn lange, lange Zeit noch mit dieser Kette gesehen. So hatte er auch lange Zeit einen Teil von mir ganz nah bei sich! Einen Ring hatte er mir wiederum nie wieder versucht zu schenken. Aber darum kam es mir auch gar nicht an! Ich wollte nur ihn! …und ich interessierte mich nur für ihn! …auch wenn es für ihn manchmal, vielleicht sogar oft, nicht so geschienen haben mag. So lebten wir eine zeitlang zusammen weiter dahin. Das Thema mit dem Seineinselfest und seiner ´Ex-Freundin, welche er noch immer so toll fand´ war kein Thema mehr. Er erzählte mir nur irgendwann, dass er die Nacht mit ihr dann in einem leergeräumten Verkaufsstand auf der Wiese liegend verbracht hatte. Ausserdem hatte er ja immer noch seinen Hündin Gina! Welche er auch nicht immer bei sich hatte. Kein Ahnung, wo er diese immer wieder ´abgestellt´ hatte, es war seine Hündin und er musste mit ihr umgehen. Ich spürte, dass das alles so nicht mehr lange gut weitergehen würde. Wir taten uns damit beide keinen Gefallen. Wir waren beide noch nicht reif für eine richtige, ernstzunehmende Partnerschaft, obwohl die Grundpfeiler und unsere Einstellung dazu zu 100 % passten. Aber ich rutschte, dadurch dass ich im Leben noch nicht so standfest war immer weiter ab und sah als logische Konsequenz, dass mein blonder Stricher zwar zur Zeit der Standfestere von uns beiden war, das aber wahrscheinlich nicht ewig mit mir so wie ich drauf war durchhalten würde. Er hatte sich ja auf dem Seineinselfest schon, zu recht, an jemand anderen drangehängt, weil er mich so wie ich war nicht mehr ausgehalten hatte. Die logische Konsequenz wäre gewesen, dass wir weiter so unzertrennlich aneinander kleben geblieben wären und er eventuell irgendwann gegen das Gesetz illegale Sachen weitermachen würde und ich dann mitmachen würde und wenn ich mitgemacht hätte, dann hätte uns so wie ich mich bei vielem anstellte so und so die Polizei bald mal erwischt und einer von uns beiden oder beide wären im Gefängnis gelandet oder er hätte den Heroinentzug nicht durch gehalten und hätte irgendwann wieder damit angefangen und ich hätte dann so wie ich abgerutscht war bestimmt auch mit diesem Teufelzeug angefangen, dann wären wir beide oder einer früher oder später mal am "Goldenen Schuss" gestorben. Es war ein Dilämma, der momentane Zustand! Schluss machen konnte und wollte ich nicht mit ihm, dafür waren wir zu sehr eins und ich liebte ihn nach wie vor, was er seinen Augen nach auch tat. Wahrscheinlich machte ich mir zu diesem Zeitpunkt mehr Gedanken über das Beenden unseres gemeinsamen Lebensweges als er. Ich denke mal, dass für ihn soweit die Welt in Ordnung war und er an eine Trennung unseres Lebensweges überhaupt nicht dachte. Er konnte nicht in mich und meine Seele reingucken und ich konnte nach all dem was passiert war nicht über meinen Seelenzustand sprechen. Das war mein Fehler, aber so war es und es gab kein zurück! Dennoch schlief ich seelenruhig ein, wenn ich meinen blonden Stricher mit seiner neuen Kette und dem gekauften Anhänger um den Hals, neben mir liegen hatte! Ich liebte ihn!

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